Veröffentlicht in Rezensionen

Rezension: Schattenkrone – Royal Blood von Eleanor Herman

Schattenkrone – Royal Blood, Eleanor Herman

Jugendfantasy mit historischem Bezug

592 Seiten

19, 99€

ISBN: 978-3-8414-2230-9

Verlagsseite Fischer

Tapfer ist, wer tapfer handelt.
(Aristoteles)

Worum geht’s?

Im Großen und Ganzen verfolgen wir hier die jungen Jahre des Alexander des Großen im Jahr 340 v. Chr. Der 16-jährige Alex steht kurz davor, aus dem Schatten seines Vaters zu treten, doch um sich in einem Palast voller Intrigen, Betrug und Gefahr durchzusetzen, braucht er Verbündete – wird er diese in seinem besten Freund Hephaistion und im Bauernmädchen Katerina finden? Was führt seine Stiefschwester im Schilde? Was seine Mutter?

Meine Meinung

Irgendwie habe ich etwas Angst vor dieser Rezension. Angst, etwas wichtiges zu vergessen, ich habe nämlich viel zu diesem Buch zu sagen.

Aber beginnen wir mit dem Äußeren. Ich finde das Cover…nun ja, ganz in Ordnung. Es ist wirklich nicht schlecht, aber auch nicht der Burner. Aber das Buch hat eine schöne, detailreiche Karte im Inneren, die ich sehr hilfreich und teilweise auch notwendig fand. Ich liebe Karten, sie machen das Geschehen noch anschaulicher – toll!
Inhaltlich war ich mir erst nicht ganz sicher, was zu erwarten war, nur dass mich der Aspekt, dass es um Alexander den Großen geht, sowie die Zeit, in der das Buch spielt (340 v. Chr.!) sehr interessiert haben. Und deswegen dachte ich mir, warum nicht mal ausprobieren?

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Handlungstechnisch ist das Buch in 5 Akte aufgeteilt. Und besonders am Anfang hatte ich starke Probleme mit der Geschichte.

Problem 1: Die Erzählzeit
Alles hat damit begonnen, dass ich es nicht gewohnt bin, Bücher im Präsens zu lesen. Und für mich war diese Zeit gerade bei diesem Buch, das doch so weit in der Vergangenheit spielt, ziemlich unpassend. Man stolpert gerade zu durch die Geschichte. Vielleicht ist das im Englischen anders, aber ich finde, dass Bücher, die im Deutschen im Präsens geschrieben sind, etwas unbeholfen und einfach klingen. Aber das ist natürlich Geschmackssache!

Problem 2: Manche Situationen sind unzusammenhängend
Manchmal hatte ich das Gefühl, ich hätte plötzlich eine Seite übersprungen. Manchmal fehlt einfach die Verbindung zwischen der Aktion/Situation A und der darauffolgenden Aktion/Situation B. Das ist mir nirgends so stark aufgefallen, wie in Akt eins. Im Laufe der Geschichte hat sich das entweder gebessert, oder ich habe mich daran gewöhnt…

Problem 3: Die ständig wechselnden Perspektiven ohne Kennzeichnung
An sich finde ich ja Perspektivwechsel wirklich toll, und sie können ein Buch nochmal so viel besser machen! Aber es dürfen nicht zu viele sein. Und besonders am Anfang dieses Buches war ich überfordert mit der Vielzahl der handelnden Personen. Insgesamt gibt es in diesem Buch Kapitel von 7 Protagonisten – wenn ich niemanden übersehen habe. Und das ist schon etwas viel, vor allem, wenn man bedenkt, dass die Kapitel weder gekennzeichnet sind und oftmals auch urplötzlich aufhören. Das nachfolgende Kapitel beginnt dann an einem völlig anderen Handlungsort. Super.
Auch an diese Sache habe ich mich im Laufe der Geschichte etwas gewöhnt, auch wenn ich immer noch der Meinung bin, die Autorin wollte einfach nur möglichst viele verschiedene Handlungsstränge in ein Buch quetschen. Ja. Quetschen!

Bis ca. zur Hälfte dachte ich nur „Oh Gott, hoffentlich wird das kein Totalflop!“ Abbrechen wollte ich es nicht – seltsamerweise habe ich aber auch nie nur eine Sekunde daran gedacht. Irgendwas hat mich immer noch gereizt an dieser Geschichte.
Und jetzt kommt das Komische: Nach ca. 2/3 des Buches war ich plötzlich total gefesselt und konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Für mich war es, wie als würde ich plötzlich eine andere Geschichte lesen. Klar, ich hatte immer noch meine Kritikpunkte, aber am Ende war ich tatsächlich von dem Gedanken „ich sortiere das Buch aus und werde die Reihe abbrechen“ komplett weg und werde definitiv den zweiten Band lesen. Ich habe keine Ahnung, was da passiert ist, aber naja…Dazu kommt noch, dass es noch so viele ungeklärte Fragen gibt und ich die Hoffnung habe, dass das alles im Folgeband Sinn ergibt.
Und: Das Buch hat sich zum Ende hin so stark gebessert, dass ich hoffe, dass der 2. Band deutlich besser wird, als der erste!

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Nun zu den Charakteren. Ich werde auf jeden Charakter kurz eingehen.

Katerina
Am Anfang dachte ich ja, Kat wäre unsere Hauptprotagonistin, die uns durch das ganze Buch begleiten wird. Tja, falsch gedacht. Zu Beginn kommt sie oft vor, aber dann taucht sie komplett unter und seiten – nein – kapitellang ist sie nur eine Randerscheinung. Und am Ende? Ja, am Ende ist sie wieder da. Zum Glück, denn ihre Reise nach Karien gehört für mit zum besten Teil des Buches.

Alexander
Aus Alex bin ich nicht schlau geworden. An sich fand ich ihn ganz sympathisch, aber irgendwie kam es mir so vor, als würde er die ganze Zeit seine Absichten und Motive ändern. Will er zu Beginn der Geschichte noch eine heilende Quelle finden, ist dies am Ende total vergessen. Seltsam. Auch die Beziehung zwischen Kat und Alex fand ich nicht überzeugend. Sie haben gerade mal drei Mal miteinander gesprochen und denken, dass eine „besondere Verbindung herrscht. Alex redet gar von Liebe. Pah! Davon hab ich rein gar nichts gemerkt.

Hephaistion
Also, Heph war einer meiner liebsten Charaktere in diesem Buch. Er war einer der wenigen, die ein bisschen Tiefe hatten und gerade, was seine Beziehung zu Mädchen angeht, gibt es noch viel Potenzial.
Auch die Freundschaft, die enge Verbundenheit, zwischen Heph und Alex war eigentlich die Beziehung, die verständlicher, nachvollziehbarer und tiefgehender war, als alle anderen.

Cynane
Auch Cyn hat noch viel Potenzial, sie könnte gar zu einer Heldin werden, in meinen Augen. Ihre Geschichte ist interessant, denn hinter ihrem hübschen Gesicht verbirgt sich ein ganzes Spektrum an Gefühlen.

Zofia
Zo war für mich die eigentliche Heldin dieses Buches. Sie ist eine junge persische Prinzessin und hat – bis auf einen Fakt – wenig mit der eigentlichen Geschichte um Alex zu tun. Leider kommt sie nur sehr selten zu Wort, aber ihre Handlung war am spannendsten, am traurigsten, schlichtweg am besten! Ich glaube, wenn das Buch nur über Zo gegangen wäre, hätte ich 5 Sterne vergeben.

Olympias
Die Mutter Alexanders. Ich muss sagen, irgendwie hat sie was. Ihre Hintergründe sind noch nicht aufgedeckt und sie ist so schön hinterhältig…ihre Kapitel waren stets ein Vergnügen!

Jacob
Jacob ist Kats bester Freund und taucht eigentlich größtenteils nur am Anfang des Buches auf. Für mich war er relativ unnötig und auch er änderte gefühlt ständig seine Motive bzw. war sich nie ganz sicher, was er eigentlich wollte. Und naiv ist er. Holla.
Braucht es echt nicht #ArmerJacob

Ihr seht schon, aufgrund der Fülle an handelnden Personen ist der Einzelne relativ wenig ausgearbeitet und durchdacht und wirkt dadurch recht blass. Grundsätzlich balanciert die Autorin immer über dem Abgrund von „Ich habe alle Charaktere verwechselt und weiß nicht mehr, wer was macht! Arrrgh!“ Oftmals droht das Buch den roten Faden dadurch zu verlieren. Aber Eleanor Herman hat nochmal die Kurve gekriegt. Glück gehabt!
Ich habe die Hoffnung, dass das mit den Charakteren im Folgeband besser wird – solange nicht wieder ein Batzen zusätzliche dazu kommen, könnte das auch gelingen.

Ihr seht schon, ich habe viel zu sagen. Aber wir sind bald am Ende angelangt, versprochen. Wollt ihr noch einen Becher Tee oder Kaffee, damit ihr den Rest auch noch schafft? Nein? Gut, dann weiter, ist ja nicht mehr viel.

Der Schreibstil der Autorin ist gar nicht mal so schlecht, wenn man von den Kritikpunkten oben mal absieht. Relativ einfach gehalten, aber wirklich in Ordnung. Ihr seht schon, irgendwie hab ich zu diesem Schreibstil keine Meinung ^^
ABER wozu ich sicher eine Meinung habe, ist die Idee der Autorin! Diese finde ich nämlich nach wie vor klasse, auch den Fakt, dass sie sich sehr viel Mühe mit der Recherche gemacht hat. Es gibt einfach viel zu wenige Bücher, die zu dieser Zeit an diesem Ort spielen, so gesehen hat Eleanor Herman da scheinbar einfach eine Marktlücke gefunden – Toll!

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Fazit

Wie ihr seht, bin ich wahnsinnig zwiegespalten zu diesem Buch. Ich will ganz ehrlich sein: Wenn die gesamten fast 600 Seiten genauso gewesen wären, wie die ersten 300/350, hätte das Buch allerallerhöchstens zwei Herzchen von mir bekommen. Aber das Ende hat es echt nochmal so richtig rausgerissen und es zu einem drei Herzen Buch gemacht, womit ich zufrieden bin. Es war sicherlich enttäuschend für mich, aber da mir das Ende gut gefallen hat, bin ich optimistisch, was die Zukunft angeht. Die Tendenz ist steigend, und das ist auch gut so!
Aber wenn euch das Thema interessiert, probiert das Buch doch mal aus! Und sagt mir dann, wie ihr es fandet, und ob ihr ähnliche Kritikpunkte habt, wie ich 😉
Oder habt ihr es gar schon gelesen? Dann her mit der Rezension!

herz lila 2herz lila 2herz lila 2

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Autor:

Lesesüchtige Bloggerin - Blogger who loves to read Leidenschaftliche Skifahrerin - Passion for Skiing Stolzes FC Bayern Mitglied - Proud to be member of Bayern Munich Football Club Für immer Westlife Fan - Forever Westlife Fan

9 Kommentare zu „Rezension: Schattenkrone – Royal Blood von Eleanor Herman

  1. Du hast es prima Worte zu dem Buch gefunden und ich kann Dich absolut verstehen. Teil zwei liegt schon lange bei mir aber irgendwie bin ich über die ersten Seiten nicht hinaus gekommen. Ich werde es hoffentlich demnächst mal wieder zur Hand nehmen … Ein HERZLICHES DANKESCHÖN fürs Verlinken!!!

    LG & ein schönes Wochenende
    Kati

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Kati,
      vielen Dank! Bin mal sehr gespannt, wie du den zweiten Band findest…schreib eine Rezi dazu, bitte! 😉 Das würde mich riesig interessieren.
      Immer gerne doch – deine Rezensionen sind es wert, gesehen zu werden ❤
      Schöne Woche dir,
      Emily

      Gefällt 1 Person

  2. Hey liebe Emily,
    an sich mag ich ja Geschichte, also das Fach wirklich nicht, aber nur weil die Texte nie so schön verpackt sind wie in einem tollen interessanten Buch. Da wäre das doch mal was für mich 😄
    Allgemein stolpere ich bei Büchern die in Präsens geschrieben sind IMMER ich kann mich erst nach Kapiteln daran gewöhnen aber wohl fühlen tue ich mich nie dabei :/
    Liebe Grüße
    Chiara 😊➰

    Gefällt 1 Person

    1. Hey Chiara!
      Nein, also wirklich wohlfühlen tu ich mich dabei auch nicht. Das ist einfach so…ungewohnt. Gerade bei einem Buch, das noch in einer Zeit v. Chr. spielt…
      Falls du das Buch mal lesen solltest, bin ich seeeehr auf deine Meinung gespannt!
      LG. Emily ❤

      Gefällt 1 Person

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